Die verschiedenen Carsharing-Varianten wirken sich auf den Pkw-Besitz und die Pkw-Nutzung sehr unterschiedlich aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Vergleichsstudie des Bundesverband Carsharing e.V. Vor allem das stationsbasierte Carsharing trägt demnach zur Abschaffung von privaten Pkw bei. Stationsloses Freefloating-Carsharing hat hingegen kaum verkehrsentlastende Wirkung. Bemerkenswert ist, dass kombinierte Systeme, die Freefloating und stationsbasiertes Carsharing aus einer Hand anbieten, ebenfalls deutlich positiv wirken.

Laut der neuen Studie haben über 80 Prozent der Haushalte, die stationsbasiertes Carsharing nutzen, kein eigenes Auto mehr. Auf 1.000 Kunden des stationsbasierten Carsharing kommen nur noch 108 private Pkw. Ihr Autobesitz liegt damit bereits weit unter der Zielmarke von 150 Pkw pro 1.000 Personen, die das Umweltbundesamt für einen klima- und umweltgerechten Stadtverkehr der Zukunft anstrebt.

Ganz andere Ergebnisse stellt die Studie bei den Nutzern von Freefloating-Carsharing fest. Hier liegt der Anteil autofreier Haushalte bei lediglich 32 Prozent. Auf 1.000 Personen kommen erhebliche 485 private Pkw. 

In die Vergleichsstudie wurde auch ein Carsharing-Anbieter einbezogen, der stationsbasierte und Freefloating-Fahrzeuge aus einer Hand anbietet. Wie sich zeigt, ist die verkehrsentlastende Wirkung dieses Anbieters ähnlich hoch, wie die der rein stationsbasierten Systeme. Die Quote autofreier Haushalte beträgt hier 78 Prozent, die Zahl der Pkw pro 1.000 Personen liegt bei lediglich 104. 

Die Studie wurde in den Städten Frankfurt am Main, Köln und Stuttgart durchgeführt, wo alle drei Carsharing-Varianten verfügbar sind. In Mitteldeutschland ist der Anbieter teilAuto mit einem vorrangig stationsbasiertem Angebot vertreten. Seit Februar dieses Jahres bietet das Unternehmen in Leipzig durch das ergänzende stationslose Angebot cityflitzer auch kombiniertes Carsharing an. 

„Wir haben gemerkt, dass cityflitzer als Ergänzung gut funktioniert. Der Großteil der Kunden, der mit cityflitzer fährt, nutzt gleichzeitig auch die stationsbasierten Fahrzeuge“, so Michael Creutzer, einer der zwei Geschäftsführer. 

„Um privaten Pkw-Besitz zu reduzieren, muss das Carsharing-Angebot möglichst alle Nutzungszwecke für ein Auto abdecken“, erklärt Mitgeschäftsführer Patrick Schöne. „Stationsbasiertes Carsharing kann mit seinen unterschiedlichen Fahrzeuggrößen gut für Großeinkäufe, Transportfahrten oder Ausflüge am Wochenende eingesetzt werden. Die stationslosen cityflitzer-Kleinstwagen bieten sich eher für innerstädtische Kurzfahrten an.“

In puncto Nutzungsumfang kommt die Studie des Bundesverbandes zu einem deutlichen Ergebnis. Nur 33 Prozent der reinen Freefloating-Kunden glauben, dass Carsharing ein eigenes Auto vollwertig ersetzen kann. Beim stationsbasierten Autoteilen sind es dagegen 63 Prozent und bei den kombinierten Angeboten sogar 65 Prozent der Kunden.

Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverband Carsharing, kommentiert: „Carsharing ist nicht gleich Carsharing. Stationsbasiertes Carsharing ist in der Lage, die Belastung der Städte und Kommunen durch den Auto-Verkehr zu reduzieren. Reines Freefloating-Carsharing wird hingegen oft als Ergänzung zum privaten Auto genutzt. Städte und Kommunen sollten diese Unterschiede bei der Förderung bedenken.“

Für Verbandsgeschäftsführer Nehrke zeigt sich hier ein Rezept für die Zukunft: „Eine möglichst tiefe Integration der Carsharing-Varianten ist offenbar ein Weg, die hohe Attraktivität des Freefloating für Neukunden mit der hohen verkehrsentlastenden Wirkung des stationsbasierten Carsharing zu verbinden.“

Im Rahmen der neuen Studie wurden Carsharing-Nutzer und eine Vergleichsgruppe von Nicht-Nutzern zusätzlich daraufhin befragt, ob sie einen weiteren Ausbau des Carsharing unterstützen würden. Die Carsharing-Kunden stimmen dem erwartungsgemäß stark zu (96 Prozent). Überraschender ist die Reaktion der Nicht-Nutzer: 75 Prozent geben an, eine positive oder sehr positive Einstellung dem Carsharing gegenüber zu haben. 50 Prozent der Nicht-Nutzer sprechen sich darüber hinaus für einen weiteren Ausbau des Carsharing aus. Das ist besonders bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass die große Mehrheit der befragten Nicht-Nutzer (76 Prozent) selbst ein eigenes Auto besitzt. Trotzdem stehen lediglich 18 Prozent einem Ausbau des Carsharing offen ablehnend gegenüber. Der Bundesverband Carsharing sieht in diesen Zahlen einen Hinweis darauf, dass die Einrichtung von Carsharing-Stationen im öffentlichen Raum auch in Stadtteilen mit hohem Parkdruck – zu denen alle Untersuchungsgebiete der Studie eindeutig gehören – mehrheitlich auf Zustimmung der Bewohner stoßen würde.

 

Mehr Informationen zur Studie unter: https://www.carsharing.de/carsharing-varianten-entlasten-staedte-unterschiedlich

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Über teilAuto und cityflitzer

teilAuto wurde 1992 in Halle an der Saale als ökologisch orientierter Verein gegründet und ist heute als stationsbasierter Carsharing-Anbieter in insgesamt 19 Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vertreten. Im Frühjahr 2018 kam in Leipzig ergänzend das stationslose Angebot cityflitzer hinzu. Beide Angebote gehören zur Mobility Center GmbH mit Sitz in Leipzig. Das Unternehmen stellt seinen über 35.000 Carsharing-Nutzern rund 1.000 Gemeinschaftsfahrzeuge vom Kleinstwagen bis zum Transporter bereit. Es setzt dabei auf einen emissionssparenden Fuhrpark sowie die Stärkung eines nachhaltigen Mobilitätsmixes in Verbindung mit Bus, Bahn und Fahrrad. Weitere Informationen unter: teilauto.net und cityflitzer.de.